Mit Rhythmus und Groove Erlebtes bewältigen

Unter der Leitung von Petra Eisend bereitet sich eine internationale Trommlerinnengruppe auf ihren ersten Auftritt vor. Foto: Elke Tober-Vogt

Unter der Leitung von Petra Eisend bereitet sich eine internationale Trommlerinnengruppe auf ihren ersten Auftritt vor. Foto: Elke Tober-Vogt

Am Donnerstag, 12. Dezember könnt Ihr uns mit unserem internationalen Trommelprojekt im IBF hören – Beginn 14 Uhr, „Showtime“ 14.30 Uhr.

„Djamana, Djembe, Djamana“ schallt es aus einem Raum in einem Schweinfurter Hinterhof. Sechs Frauen sitzen hier gemeinsam mit der Musikerin und Sozialpädagogin Petra Eisend, und trommeln, was die Hände hergeben. Seit ein paar Wochen bereiten sie sich auf ihren ersten gemeinsamen Auftritt vor, der die diesjährige Weihnachtsfeier für Kinder im Interkulturellen Begegnungszentrum für Frauen (IBF) umrahmen wird.

Mit Enthusiasmus sind die frisch gebackenen Musikerinnen aus Ghana, Syrien, der Türkei und aus Deutschland dabei, das spürt man von der ersten Sekunde an. „Donda donda don“ hatte Eisend zu Beginn der Probe gerufen, und sofort hatten Djemben, Basstrommel und kleinere Percussionsinstrumente losgelegt. Der groovende Titel, den die Damen entwickelt haben, erzählt von Freude – eine Feier soll beginnen, so der Text „Eh folilawulida eh!“, erläutert Petra Eisend.

Der Grundrhythmus dazu kommt aus Guinea, Trommlerin Sabah ergänzt gekonnt um einen syrischen: „Drbakke“ heißt dieser, sagt sie, die ebenso wie die anderen mit vollem Körpereinsatz und sichtlichem Spaß dabei ist. Doch plötzlich wird sie ernst: „Hoffentlich macht niemand von unserem Auftritt Fotos und stellt sie in Facebook“, so ihre Befürchtung. Denn: „In meinem Heimatland fallen Bomben, ich aber sitze hier, trommle und singe.“ Wie passt das zusammen, was sagen die Leute, der Ehemann, die Familie? Die Gruppe nimmt sich ein bisschen Zeit, diskutiert, die Mienen sind betroffen und besorgt.

Aber ist Musik, ist Rhythmus nicht auch ein Mittel, Kriegs- und Fluchterlebnisse zu verarbeiten, wirft eine der Frauen ein, und warum soll nicht ein bisschen Freude in ein ausgehebeltes Leben zurückkehren? Petra Eisend fängt die atmosphärische Veränderung geschickt und empathisch auf, lenkt zur Musik zurück und schnell ist der Raum wieder mit positiver Energie erfüllt.

Ein Plan für die Improvisation wird entwickelt: Wer übernimmt welchen Rhythmus, wann wird geschnippt, wann gesungen – „Nein, das Eh! ist auf dem Don!“, ruft Eisend. Und „Nicht auf mich schauen, konzentriert Euch auf Euren Rhythmus!“ – Harte Arbeit ist das, dennoch geht es locker zu, es wird gelacht, der Umgangston ist ausgesprochen freundschaftlich. Unterschiedliche Temperamente in der Instrumentenhandhabung werden erkennbar, doch die Begeisterung hat alle erfasst.

Angestoßen und ermöglicht wurde das Projekt durch die Gunsenheimer-Vogt-Stiftung, die bereits Anfang des Jahres mehrere Workshops für Flüchtlinge mit Petra Eisend in der Erstaufnahmeeinrichtung Ledward Barracks finanziert hatte. Nachdem sich dort die organisatorischen Voraussetzungen als nicht optimal herausgestellt hatten, fand man mit dem IBF eine geeignete Partnereinrichtung zur Fortführung. Nur noch eine Probe, die Generalprobe, und dann dürfen Petra Eisend und ihre internationale Trommlerinnentruppe zeigen, was sie erarbeitet haben. Stolz sein können sie jetzt schon über ihr mitreißendes Gemeinschaftswerk!

Quelle: Mainpost.de

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