Gedanken ohne Schranken

Performance der besonderen Art: Die Schweinfurter Künstlerin Petra Blume gestaltete gemeinsam mit Jochen Volpert (im Hintergrund) sowie Carola Thieme und Petra Eisend die Finissage der Ausstellung „Luther reicht nicht“ in der Heilig-Geist-Kirche. Foto Credit: Oliver Schikora @ Mainpost.de

Künstlerische Impulse, was uns der Reformator Martin Luther mit seinem Anstoß, dem Glauben auf den Grund zu gehen, auch im 21. Jahrhundert noch sagen kann, wollte die Ausstellung „Luther reicht nicht“ in der Heilig-Geist-Kirche geben. Spätestens mit der Performance der Schweinfurter Dada-Improvisationsgruppe „Rabenschwarz und Blütenrein“ mit Petra Blume, Carola Thieme und Jochen Volpert, unterstützt von Petra Eisend, zur Finissage konnte man sagen: Ja, das Vorhaben ist gelungen.

Das ökumenische Projekt in Heilig-Geist, das Ullrich Göbel von der City-Pastoral noch einmal vorstellte, möchte vor allem dazu beitragen, den Gläubigen die Angst vor Veränderung zu nehmen. „Sie ist nur möglich, wenn wir es auch zulassen, in neuen Bahnen zu denken und Vorurteile abzubauen“, betonte Göbel. Die katholische Kirchengemeinde Schweinfurts, die sich mit den geplanten neuen Strukturen ebenfalls auf neue Wege einlassen muss, zeigte zumindest bei der Finissage der Ausstellung, dass Mut zur Veränderung vorhanden ist.

Es ist sicher nicht ganz einfach, sich auf eine Performance wie die von „Rabenschwarz und Blütenrein“ einzulassen. Das liegt zum einen grundsätzlich daran, dass dadaistische Texte und improvisierte Musik außerhalb gewohnter Klangschemata nicht jedermanns Sache sind. Zum anderen aber auch, dass es oft schwer ist, am Ende eines langen Arbeitstages sich sofort auf diese ungewohnte Art von Kunst zu konzentrieren, ihre Botschaft wahrzunehmen, sie zuzulassen. Schwarz gekleidet präsentieren sich die Künstler auf dem mit großen weißen Holz-Quadern zur Impro-Bühne umgebauten Altar – auch das im Übrigen ein beachtliches Zeichen der Toleranz der Kirchengemeinde.

Jochen Volpert holt aus seiner Gitarre ungewohnt schräge Töne heraus, Carola Thieme nutzt den Stimmenverzerrer für neue Klangwelten, im Hintergrund ist Petra Eisend mit ihrer Handpan die perfekte Ergänzung. Und Performancekünstlerin Petra Blume beweist mit ihren Texten immense Tiefgründigkeit – „Gedanken ohne Schranken aus dem Dunkeln der Nacht, lautlos, schwerelos, auf Beutezug“. Worte, die nachhallen, die sich im Kopf festsetzen. Ja, natürlich, am Anfang war es nicht leicht, sich einzulassen auf Blume und Co. Doch je länger man in den harten Kirchenbänken sitzt, den grotesken Tonwelten lauscht, Petra Blumes Worte aufsaugt, desto faszinierter ist man, desto mehr wird man in diese Welt hineingesaugt. Und ist es nicht genau diese Offenheit für Veränderung, die Kunst im Idealfall auslöst?

„Musik ist ein reines Geschenk und eine Gabe Gottes. Sie vertreibt den Teufel, sie macht Leute fröhlich und man vergisst über sie alle Laster“, zitiert Petra Blume Martin Luther. Dessen Wesen in seiner Schaffenszeit, der Überwindung von Ängsten und Zweifeln am Glauben, nahe zu kommen, war das Ziel der Performance.

Es ist gelungen, muss man konstatieren.

Quelle: Oliver Schikora @ Mainpost.de

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