Volles Haus: P.E.G. World in der Disharmonie

Feierlich entzündet Petra Eisend die fünfarmigen Leuchter. Zum Erwärmen des Saals sind sie nicht gedacht, auch ohne die Kerzen ist es warm, die Sonne muss draußen bleiben. Hinsetzen, entspannen, alles von sich abfallen und die Grooves und Rhythmen kommen lassen – auf diese Weise wird der Abend zu einem Einstieg ins Wochenende.

Die Musiker von P.E.G. World bewegen sich zwischen Funk und Rock, Jazz und ein wenig Pop. Rhythmus kommt von Tobias Götz am klassischen Drumset und von Petra Eisend mit exotischen Perkussionsinstrumenten. Johannes Böhm spielt den Bass, Dirk Rumig improvisiert an Sopransaxofon und Bassklarinette, Tobias Pawlick moderiert, singt und spielt die akustische Gitarre.

Von Oberpfalz bis Afrika

Der weite Bogen vom Oberpfälzer Dialekt des Frontmanns bis hin zu den harten Schlägen der afrikanischen Djembé und dem Blech-Ufo, genannt Hang, unter den wirbelnden Händen der weitgereisten Schlagwerkerin Petra Eisend spannt sich zu einer besonderen Musik.

Titel wie „Hinter dem Mars gleich links“ oder „Schneegestöber“ und ein „Kleiner rosa Straßenfeger“ entführen in sinnfreie Zonen und geben Raum zum Abschweifen. „Dou mal aafoch nix“ – die Aufforderung zum Nichtstun ist das rechte Motto „Nur füa heit“. Immer wieder schiebt der geniale Jazzsaxofonist atemberaubende Soli ein, legte sie auf den satten Bass und zwischen die Gitarre.

Als sich Petra Eisend schließlich auf dem kleinen Thron im Schneidersitz niederlässt und das Hang in den Schoß bettet, versinkt die Umgebung in den eigentümlich metallen schwebenden Klängen. Sie wischt sanft mit den Fingern über die Beulen der gewölbten Schüssel, klopft darauf mit weichen Schlägeln. Sie greift zu Sternenschellen, Klappern und Rasseln und bereichert die Songs mit den fantasievollen Mustern.

Der Musiker als Nichttänzer

Frei nach dem Jazzstandard fragt Pawlick „Oder nicht?“ und sinniert über den „Schorsch“ nach einem Text von Hubert Treml. Es sei dahingestellt, ob Musiker wirklich nicht tanzen können, doch mit dem „Tanzkrüppel“ erinnert Tobias Pawlick an eigene unrühmliche Versuche, sich zur Musik zu bewegen, und wird dabei wild unterstützt von Rumigs Saxofonwolken und Eisends prasselnden Djembéwirbeln.

Die Liebeserklärung an das „alte Taschentelefon“ beendet einen Abend der überraschenden Klänge mit exzellenten Musikern, die ganz offensichtlich mit großem Vergnügen miteinander auf Reisen gehen, dabei Grenzen leichthändig überschreiten und ihr Publikum mitnehmen.

Quelle: Mainpost.de

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